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MS Robotics Studio umsonst...

Eine Nachricht hat mich heute etwas überrascht: "Microsoft Shifts Robotics Strategy, Makes Robotics Studio Available Free". Robotics Studio ? Was war das nochmal ? Ach so, diese Entwicklungs-Umgebung von Microsoft für Roboter, die ich schon immer mal ausprobieren wollte. Vielleicht sollte der Bericht hinter der Schlagzeile eine gute Informationsquelle sein...

Der erste Eindruck des Artikels bringt jedoch schnell Ernüchterung, er kommt mir sehr MS-lastig geschrieben vor. Der erste Absatz könnte auch von Mr. Ballmer himself geschrieben worden sein:

"Over the past year or so, Microsoft's robotics group has been working quietly, very quietly. That's because, among other things, they were busy planning a significant strategy shift."

Klingt nach einer Art Ausrede dafür, das man nichts von diesem Robotics Studio gehört hat, weil alle Welt begeistert ist von ROS. Sollte man wirklich die Tatsache, das man eine Software die für Geld keiner haben wollte jetzt kostenlos zur Verfügung stellt, um keine Bauchlandung damit zu machen, wirklich ein grandioser Strategiewechsel sein ? Und auch noch einer für den man so lange braucht ? Hmmm... Aber im weiteren Verlauf sind mir andere Absätze und Formulierungen aufgefallen, die nicht nur mir etwas Bauchschmerzen bereitet haben. So sagte z.B. Stathis Papaefstathiou, Leiter der Robotics Group bei MS, eines der größten Hindernisse für die "Massenproduktion" sei der Preis. Zugegeben würden mir noch viele andere Gründe einfallen, aber ganz falsch ist die Aussage sicherlich nicht. Aber der Nachsatz ist wieder so ein Microsoft-Ding:

"That means that in the consumer space it's not about sophisticated hardware, it's about the software stack."

Womit er suggeriert, das die Software so teuer ist, das eine Massenproduktion verhindert wird ?! Damit würde natürlich auch der Strategiewechsel von MS besser aussehen. Vor kurzem habe ich mit ein paar Leuten aus der Forschung und Entwicklung eines bekannten Deutschen Haushaltsgeräteherstellers gesprochen, die mir das genaue Gegenteil bestätigten: Die Hardwarekosten sind das Problem, vor allem die Sensorik ! In der Massenproduktion ist ein Sensor eigentlich schon zu teuer wenn er 10,-€ kostet - da wird es eng für die meisten Kameras/Laser/Sonar/Swissranger oder was auch immer unterwegs ist. Microsoft verweist im weiteren Verlauf auf 600 000 Downloads - seit 2007. Mich würde es nicht wundern wenn ROS so viele im ersten Jahr hatte... Man berichtet von 60 000 aktiven Usern (wie auch immer das gemessen wurde) und stellt auch gleich klar, woran es bei Microsoft liegen könnte, das die Software nicht so angenommen wird, wie erhofft:

So over the past two years the robotics group, which is part of of an elite software division called Startup Business Group led by Amit Mital, who reports to Craig Mundie, had been thinking about how to expand Microsoft's stake in robotics.

Microsofts Anteil am Kuchen der Robotik scheint mir nicht der richtige Weg um Software so zu entwickeln, das die Entwickler damit ihre Probleme lösen können...
Natürlich verpasst es Microsoft nicht das Projekt Natal zu erwähnen, das in der tat sehr interessant werden könnte, da es einen günstigen Sensor für Roboter in Aussicht stellt. Leider widerspricht MS damit der Aussage von Papaefstathiou und es wird auch eigentlich für die XBOX entwickelt, die ja nun kein wirklicher Roboter ist, aber egal. Microsoft ist natürlich auch nicht entgangen was Willow geschafft hat auf die Beine zu stellen, auch wenn der Satz "[...]"there's no single competitor for the overall toolset that we have." einen daran zweifeln lassen könnte, aber Seitenhiebe für Willow Garage gibt es dennoch:

"People are doing a great job in developing robotics technology there [at Willow], but this is not something that goes into scale. And we here in Microsoft we are about scale."

Die Reaktion von Brian Gerkey, Direktor der open source Entwicklung bei Willow, ist entsprechend:

"We designed ROS to be flexible and open, because researchers and application developers alike need to be able to inspect, improve, and extend the system. As a result, ROS is now used on a wide variety of robots, from inexpensive iRobot Creates to sophisticated humanoids and even autonomous cars. It's only through open source that we can reach this level of adoption and community involvement."

Brian Gerkey hat schon vor ROS das Player/Stage Projekt mit-iniziiert und mit der Community zu einem defacto-Standard in der Robotikscene gemacht. Er kommt damit aus der Riege von Entwicklern, für die ROS und so will man annehmen auch Microsoft ihre Entwicklungsumgebungen vorrangig anbieten. Erscheint mir aber ein besserer Hintergrund als der berühmte Kuchen... Abschliessend bleibt noch ein weiterer Kritikpunkt hängen, der auch in den Kommentaren zum Bericht auftaucht: Die Tatsache das das Robotics Studio einen großen Schwerpunkt auf die graphische Programmierung und die Simulation legt. Beides für das Design eines Gesamtsystems sehr sinnvoll, Simuliert wird aber schon lange und viel und simulieren kann man fast alles. Die Interessante Frage an dieser Stelle scheint doch zu sein wie ich von einem Modell zu einem echten System komme ?! Dazu empfehle ich einen Artikel von Ingo, der sich mit ein paar Details von ROS beschäftigt hat, nicht nur weil er gerade bei Willow zu Besuch war...